Katholische Pfarrgruppe Rheinhessische Schweiz

                                                                       mit den Gemeinden Eckelsheim, Frei-Laubersheim, Fürfeld, Gumbsheim, Neu-Bamberg, Siefersheim, Stein-Bockenheim, Tiefenthal, Wöllstein, Wonsheim                                                                                                                      



St. Josef und St. Ägidius, Fürfeld



Zerstörung des Fürfelder Feldkreuzes am 6. Mai 

Vor 25 Jahren wurde es aufgestellt – das Fürfelder Feldkreuz am Fuße des Eichelberges, um an das Ende des grausamen Krieges in Deutschland am 8. Mai 1945 zu erinnern. Seit dem lädt es zum Gedenken an alle Opfer von Kriegen und Gewalt ein, an die wir denken sollen, wenn wir auf den geschundenen Herren am Kreuz schauen. Mit diesen Gedanken wurde es in der Karwoche am 14. April 1995 der Bevölkerung vorgestellt.

Am 6. Mai musste Albert Schmitz, der sich seit vielen Jahren liebevoll um die Gestaltung des Platzes um das Kreuz und auch um das Kreuz selbst kümmert, feststellen, dass der Korpus stark beschädigt wurde. Wahrscheinlich durch das Werfen großer Steine wurden beide Arme abgetrennt, das Gesicht fast völlig zerstört und auch Teile der Kreuzbalken beschädigt. Für gläubige und empfindsame Menschen ein verstörender und niederschmetternder Anblick. Mir kamen beim Anblick der traurigen Bilder sofort einige Sequenzen aus dem nach wie vor lesenswerten Kreuzweg aus dem alten Gotteslob in den Sinn:

 

 7. Station: Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch.

                 Der Leute Spott bin ich und des Volkes Verachtung.

9.  Station: In den Staub gebeugt ist meine Seele.

                Mein Leib ist zu Boden getreten.

10. Station: Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Heiles an mir,

                   nur Striemen und Wunden

 

Mitten in der Österlichen Zeit der scheinbare Rückfall in die Dunkelheit des Karfreitages – das verdeutlichen diese Psalm - und Bibelworte aus dem Kreuzweg. Worte, die einladen, die Verwundbarkeit des Menschen, damals vor 75 Jahren – ja in all den Jahren des schrecklichen Krieges und aller Kriege und Gewalterfahrungen bis heute, zu sehen und, wenn auch in allerkleinsten Ansätzen, nachzuempfinden. Worte, die in Verbindung mit dem Blick auf den geschundenen Leib des Herren, den historischen Bildern in den Medien von gequälten und zerstörten Menschen auf der Flucht, an der Front und erst Recht in den Massenvernichtungslagern in Deutschland und Europa, uns radikal an unsere Verwundbarkeit, Sterblichkeit und das Böse in uns Menschen erinnern sollten.

Erfahrungen und Erinnerungen , die die Zerstörer des Kreuzes am Fuße des Eichelberges, scheinbar verdrängt, vielleicht durch eigene Wut und Verzweiflung am Leben, Alkohol oder anderer Drogen zugeschüttet haben. Was mag in ihnen vorgegangen sein, als die Steine auf das Kreuz krachten, die Arme abbrachen, der Herr sein Gesicht verlor?

Waren sie, blind vor Wut und eigenen Kränkungen, nicht in der Lage, im Gekreuzigten den Bruder und Mitmenschen zu sehen, der auch sie einlädt, sich nicht zu neuer Gewalt hinreißen zu lassen?

Wir werden das Kreuz wieder herrichten lassen, doch die Erfahrung bleibt, wie zerbrechlich unsere Hoffnung auf Aussöhnung und Frieden in Europa und überall in der Welt sind, solange wir nicht umkehren, den Blick der Leidenden ertragen und nicht Steine in die Hand nehmen, um unseren Frust zu bewältigen. Wir brauchen andere Auswege, gerade in diesen vielleicht noch sehr langen Monaten der Krise. Wir brauchen Hände und Herzen, die Brot in die Hand nehmen, nicht Steine. Hände, die Wasser reichen, nicht Essig. Dann können wir erfahren, dass sich Gesichter verwandeln, dass uns Augen so anblicken, dass auch wir wieder Mitgefühl entwickeln können. Menschen mit solchen Erfahrungen hinterlassen andere Spuren im öffentlichen Raum. Spuren, die zum Frieden und zur Versöhnung befähigen. Auch deshalb werden wir das Kreuz wieder herrichten, auch denen zuliebe, die es jetzt „hingerichtet“ haben.

Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!